Tagebücher

Von 1960 an hat Reinhardt mehr oder weniger regelmäßig Tagebuch geführt – zunächst handschriftlich auf Ringbuchblättern, später dann am Computer. Die Tagebücher wurden transkribiert, redigiert sowie mit zusammenfassenden Einleitungen und, wo es sinnvoll erschien, mit erläuternden Zwischenkommentaren versehen. Der Ursprung für seine Kunst ist hier zu entdecken: Die schriftlichen Einträge, oft von den Notierungen des I Gings begleitet, wechseln sich mit Zeichnungen als bildliche Kommentare des Erlebten und Empfundenen ab. Eine Veröffentlichung der Tagebücher in gedruckter Form ist in Vorbereitung.

1. Hälfte Oktober 1960 bis November 1961

Walter Reinhardt Tagebücher Skizze Walter Reinhardt beginnt sein Tagebuch mit einem Gedicht, in dem er eine gerade unglücklich beendete Liebschaft verarbeitet. Nach zwei nicht bestandenen Prüfungen am Hessenkolleg ist der Traum vom Abitur und anschließendem Studium ausgeträumt, er versucht sich in der Schriftstellerei, hat viele Ideen, doch mit einer Veröffentlichung scheint er nicht zu rechnen. Zunächst stehen ganz reale Sorgen auf dem Plan: Er benötigt ein günstiges Zimmer, will seine nun überflüssigen Bücher loswerden und muss die Zeit bis zum Mai nächsten Jahres herumbringen. Dann soll es auf einer amerikanischen Schifffahrtslinie als Servicekraft gen Amerika gehen – eine gute Gelegenheit, sich mit dem verdienten Geld ein finanzielles Polster zuzulegen, das ihm bei der Verwirklichung seiner Lebenspläne helfen soll.

31.7.68 bis 5.12.68

Tagebuchbild 2 Überlegungen zu den Themen seiner Malkunst und ihrer Gestaltung beschäftigen Reinhardt im Sommer 1968. Er ist in München, hat keinen Job und sorgt sich um seine Schulden und seine unklare berufliche Situation. Ende August verlässt er die Stadt, stattet der Documenta in Kassel einen Besuch ab und begibt sich im September schließlich wieder an Bord eines Schiffes, um als Kellner nach Amerika auszuschiffen. Nach seiner Rückkehr im Oktober tritt er wenige Tage später die nächste Fahrt an. Auf seinen Reisen findet er Zeit zum Gitarrespielen und Skizzieren, auch zum Studium der Kalligraphie. Die Kunst in China und Japan fasziniert ihn. Die Ergebnisse des I Gings, das er sich täglich legt, beschäftigen ihn, mit ihrer Hilfe versucht er in die Zukunft zu blicken und erhofft Antworten auf seine…

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